Freitag, 12. August 2011

Von Wasserfällen und Skorpionen

Als wir zurückkommen vom Salto Angel, dem höchsten Wasserfall der Welt, erzähle ich dem deutschen Besitzer des Hostels, Martin, daß ich von einem Skorpion gebissen wurde. Die gelben sind harmlos, sagt er. Bei den schwarzen müsse man aufpassen. Leider konnte ich mir nicht aussuchen, von welchem Skorpion ich mich beißen lasse und so hat sich ein schwarzer Skorpion entschieden, mich zu beißen, als ich meine Hose, die ich zum Trocknen aufgehängt habe, angezogen habe.

Ein kurzes Stechen in der Wade und mir war klar, dass mich da irgendwas gebissen hat. Nachdem ich die Hose schneller wieder ausgezogen habe als ein Beamter "Feierabend" sagen kann fiel der Skorpion auf den Boden. Da lag er nun vor mir. Relativ klein, leider schwarz statt gelb, und wartete darauf, dass unser Guide ihn mit seiner Sandale zerquetscht. Nachdem unser Guide mir dann eine Salbe aufgetragen hat habe ich mich gefragt, ob ich die Nacht überleben werde, nach all den Horrorgeschichten, die ich im Fernsehen gesehen habe.

Als ich am nächsten Tag dann doch aufgewacht bin hatte ich dennoch ein bißchen mit dem Biß des Skorpion zu kämpfen. Die nächsten zwei Tage sollte ich leichte Kopfschmerzen haben und mein peripheres Sehen auf dem rechten Auge war etwas eingeschränkt. Letztendlich habe ich es überlebt.

Hier nun aber die spektakulären Bilder von der dreitägigen Salto Angel-Tour:

Mit dieser kleinen Maschine fliegen wir etwas mehr als eine Stunde zu unserem Zielort:


Wir fliegen über viel Wasser und viele kleine Inseln. Von oben sieht es manchmal aus wie auf einem Satellitenbild:


Spieglein, Spieglein...


Nach dem Flug werden wir zur Lagune gefahren, wo wir auch eine Nacht übernachten und starten von hier aus auch am gleichen Tag den Weg zu den kleineren Wasserfällen:


Hier an der Lagune kann man es sich für ein paar Stunden gut gehen lassen. Leider verkaufen die am Strand kein Bier, deswegen war ich auch nur ganz kurz da.


Diese Wasserfälle sind unser Ziel:


Zugegebenermaßen mache ich hier nicht die allerbeste Figur, was aber am "Fotografen" liegt. Trotzdem, auch mit mir auf dem Foto ist die Aussicht net schlecht.


Dann nehme ich noch kurz ein Bad im Wasserfall. Herrlich!




Dann gehen wir hinter den Wasserfall. Hier bekommt man das Wort "Naturgewalt" so richtig zu spüren!


Danach machen wir noch ein Foto und haken auch diesen Aussichtspunkt als gesehen ab.


So, das wars in Kürze. Leider muß ich jetzt los, um den Bus nicht noch einmal zu verpassen. Vor mir liegen jetzt 16 Stunden Busfahrt....

Die restlichen Bilder gibt's dann in Kürze!

Tschö, euer Larsinho

Mir fehlen die Worte

Ja, es kommt nicht oft vor, dass mir die Worte fehlen, also genießt diesen seltenen Augenblick. 10.000 Besucher auf dem Blog! Wahnsinn. 10.000 mal DANKE euch allen! Danke nach Deutschland, Australien, Schweiz, Ecuador, USA, England, Venezuela, Österreich, China, Costa Rica, Vietnam, Bosnien und Herzegowina, Argentinien und Neuseeland! Das heißt, ich bin jetzt in der ganzen Welt bekannt! Hat ja auch lange genug gedauert!

Neue spektakuläre Fotos und neue Geschichten sind bereits in Arbeit. Geduldet euch noch einen Tag!

Bis neulich.

Euer Larsinho


Montag, 8. August 2011

Warum ich kurz davor war, eine ganze Stadt in Schutt und Asche zu legen

Dat is also dat schöne Städtchen, von dem sie in meiner Reise-Bibel Lonely Planet also immer berichten. Klein isses hier. "Im Kolonialstil erbaut". Das würde ich als glatte Lüge bezeichnen. Nach drei Stunden Busfahrt im Diskobus bin ich dann endlich hier angekommen und gehe zu einem Hostel, das von einem Deutschen betrieben wird. Kein Internet. Und teuer ist es auch noch. Ich sage ihm, dass ich für meine letztes Hostel die Hälfte bezahlt habe. Für das Geld werde ich hier nix finden. Zwanzig Meter weiter finde ich dann exakt dieses Hostel, dass es hier angeblich nicht geben soll. Mit einer Internetverbindung. Die ausgewanderten Deutschen sind manchmal schon komisch. Leider hat keiner in der Stadt bei meiner Ankunft Strom. Stromausfall. Nichts wirklich Aufregendes für die Leute hier, man hat sich dran gewöhnt.

Für mich gibt es allerdings JEDEN Grund, sich aufzuregen. Es ist Freitag, der 5. August. Es ist Bundesligabeginn. Die Wiedergeburt eines jeden Mannes, der die Sommerpause überlebt hat! Und ich wollte zumindest versuchen, mir das Spiel über einen Live-Stream anzuschauen, so verruckelt das Bild auch sein mag. Und dann bleibt der Strom aus. Ich könnte das ganze Dorf niederbrennen, so geladen bin ich. Während der ganzen Busfahrt hatte ich mir es schon so schön ausgemalt, wie ich da in meinem Zimmer mit Klimaanlage (die ich eh nicht hatte) sitze und Fußball gucke. Das Leben ist hart.

Bevor ich schlafen gehe bete ich zu Gott, dass morgen um 15.30 Uhr mitteleuropäische Zeit der Strom hier läuft. Am Samstagmorgen zum Anstoß stehe ich dann desillusioniert vor dem Lichtschalter und prüfe, ob der Strom funktioniert. Der liebe Gott hat wohl mitbekommen, dass ich aus der Kirche ausgetreten bin, um Steuern zu sparen. Das hab ich nun davon. Und schon wieder denke ich mir: "Wie würde Rambo schnell und effektiv eine ganze Stadt in Schutt und Asche legen...?". Noch bevor ich den Gedanken zu Ende denken kann bestelle ich mir aus Frust das größte Frühstück auf der Karte und schmiede Plan B. Dieser sieht den Besuch einer Kakao-Plantage vor. Aber wer weiß, vielleicht versteckt sich hinter der Kakao-Plantage ich echt eine der größten Kokainfabriken des Landes.

Wir fahren mit dem Boot entlang der Küste. Traumhaft.


Die Landschaft gefällt mir gut, unserem Steuermann hinter mir offensichtlich nicht.


Unser Wassertaximann setzt uns hier am Strand ab. Wir sollen um 13 Uhr wieder abgeholt werden. Zur Plantage sollen wir einfach den Transporter nehmen und dann geradeaus weiter. Glücklicherweie sind noch zwei einheimische Pärchen dabei, ich muß mich also um nix kümmern.


Jetzt müssen wir nur noch die Wasserstelle zwischen den Booten im Vorder- und im Hintergrund überbrücken und dann geht' los.


Vorher muß ich aber noch kurz ein Foto fürs Familienalbum machen, denn hier heißt man mich willkommen.


Auf dem Weg zur Plantage müssen wir einen kleinen Fluß überqueren, als wir plötzlich eine venezuelanische Wildsau im Wasser entdecken. Vorsichtig passieren wir das Vieh und erreichen das andere Ufer.


Als wir nach dem Weg zur Plantage fragen sind wir etwas überrascht: 2 Stunden pro Strecke. Soviel Zeit haben wir leider nicht und gehen zurück, entdecken aber zufällig zumindest ein paar Kakaobohnen. Im Anschluß gehen wir zurück und warten auf unser Wassertaxi.


Wir warten über eine halbe Stunde, aber der Typ mit dem Wassertaxi kommt nicht. Wir nehmen ein anderes Wassertaxi, lassen uns zu einem Strand fahren und sehen dort unseren Taximann beim Grillen. Einer der Jungs ist nicht gerade erfreut darüber. Wir machen das Beste daraus und legen uns an den Strand.

Als wir zurück sind gehe ich noch kurz zum großen Strand, um ein paar Fotos nur für euch zu machen. Isset net schön hier?


Plötzlich sehe ich eine Menschentraube. Was ist da los? Hahnenkampf? Kampf unter Männern? Armdrücken?


Nein. Zwei Jungs trommeln und Männlein und Weiblein tanzen wie Tiere um einander herum. Ich überlege nicht eine Sekunde, ob ich das auch versuchen soll, sondern gehe zum Strand zurück und klaue einem kleinen Kind den Fußball, halte den Ball 1.000 mal in der Luft, lasse mich von den Einheimischen feiern und gehe zurück zum Strand.


Das wars vom Lars. Auf bald, ihr Jecken!


Euer Larsinho

Freitag, 5. August 2011

Kurz-Interview mit mir selbst

Blogger: Mensch, Larsinho, das ist ja klasse, daß du dir kurz die Zeit genommen hast, dich selbst zu interviewn.
Larsinho: Ja, komm, mach hin, ich hab keine Zeit!
Blogger: Erste Frage: Wie geht's dir?
Larsinho: Nicht schlecht! Noch immer nicht. Ist ein bißchen warm hier in Venezuela aber ansonsten gibt's keinen Grund zur Beschwerde.
Blogger: Was machst du gerade?
Larsinho: Ich sitze vor dem Netbook und schreibe den Mist hier, weil ich Langeweile habe.
Blogger: Hast du nix Besseres zu tun?
Larsinho: Nö.
Blogger: Sind keine Leute hier im Hostel?
Larsinho: Doch, aber die sind alle im Zimmer. Wow, gerade geht hier im Hof die Alarmanlage an. Das ist der akustische Höhepunkt des Tages. Nein! Totaler Quatsch! Die Horror-Fahrt in dem umgebauten Discobus war der akustisch LAUTE Höhepunkt. Zweieinhalb Stunden Musik bis zum Anschlag! Und ich hatte das Glück, genau unter der Boxe zu sitzen. Was bin ich nur für ein Glückspilz! Wie ich es geschafft habe, dennoch die ganze Zeit über innerlich und äußerlich ruhig zu bleiben wird wohl eines der größten Geheimnisse der Menschheit bleiben.
Blogger: Ganz rührende Geschichte, Larsinho. Sag mal, es gibt immer noch keinen Strom hier in Puerto Colombia. Da kommt gerade ein Angestellter vorbei und sagt, die machen JETZT gleich den Generator wieder aus.
Larsinho: Ok, tschüß. Bis bald. Ach ja: Kann ich noch schnell meine Familie inklusive der buckligen Verwandtschaft aus Schwalmstadt grüßen? Und Ana?
Blogger: Ja, hiermit getan. Grüße an die Familie von Larsinho inklusive der buckligen Verwandtschaft aus Schwalmstadt und Ana.
Larsinho: Super, daß das mit dem Grüßen noch geklappt hat. Kann ich noch jemanden grüßen?
Blogger: Ne, dafür ist es jetzt leider zu spät.
Larsinho: Och, komm, einen noch!
Blogger: Na gut, wenn's denn sein muß!
Larsinho: Ok, ich grüße nochmal meine Familie und die Ana!
Blogger: Super, Larsinho...Ganz...fantastisch. Wir sollten das Interview jetzt beenden.
Larsinho. Ok, tschüß.
Blogger: Komisch, die haben immer noch nicht den Strom abgestellt. Willst du noch was sagen?
Larsinho: Ich war eben Essen.
Blogger: Und? Satt geworden? Was gab's denn?
Larsinho: Ravioli und Tortellini. Schreibt man das so?
Blogger: Keine Ahnung. Hat's denn geschmeckt?
Larsinho: War ok. Ein bißchen teuer und der Wirt hat neben dem Wort "Tschüß" nicht ein Wort gesagt. Fand ich sehr unfreundlich.
Blogger: Meinst du, das interessiert irgend jemanden, was du heute Abend gegessen hast?
Larsinho: Kann ich mir nicht vorstellen.
Blogger: Was macht eigentlich dein Mückenstich?
Larsinho: Tut immer noch weh, wenn ich draufdrücke. Hab mir in der Apotheke Antibiotikum-Pille und Creme geholt, zeigt aber noch keine Wirkung. Vielleicht sollte ich die Dosis mal erhöhen.
Blogger: Erzähl doch mal was über Venezuela!
Larsinho. Grün. Es ist verdammt grün hier. Überall wieder die Anden. Und heiß ist es, aber das hatte ich ja eingangs schon kurz erwähnt.
Blogger: Was ist mit den Leuten?
Larsinho: Ja, die gibt's auch hier. Sind in der Mehrzahl ganz nett. Gestern wollten zwei Motorradpolizisten mit meiner Spiegelreflexkamera ein Foto von mir machen. Ne, ne, hab ich mir gedacht. So doof biste ja nun auch net. Ich stell mich dann schön dahin und ihr beiden haut mit meiner Kamera ab.
Blogger: Hut ab, Larsinho! Bist ja ein ganz gerissenes Kerlchen! Ist sonst noch irgendwas Aufregendes passiert in der letzten Zeit?
Larsinho: Ne, eigentlich nicht. Die Einreise nach Venezuela war am merkwürdigsten. Da gab es kurz nach der Grenze auf den ersten 20-30 km zirka 15 Kontrollen vom Militär und der Polizei. Und einmal mußten wir sogar unsere kompletten Sachen scannen lassen.
Blogger: Ja, ja. Vielleicht denken die, du hast Drogen geschmuggelt.
Larsinho: Woher sollen die wissen, dass ich komme?
Blogger: Ok, andere Frage: Es heißt, es ist das gefährlichste Land hier in Südamerika. Spürst du davon was?
Larsinho: Ne. Überhaupt nicht. Bis jetzt ist es genauso gefährlich oder ungefährlich wie in den anderen Ländern. Ich bin auch hier noch nicht von irgendwelchen Typen dumm angemacht worden.
Blogger: Und solange du dich nicht betrunken in ein Taxi reinsetzt sollte dir ja auch nix passieren...
Larsinho: Danke, ich hatte es fast schon wieder vergessen. Bei der Gelegenheit grüße ich noch kurz meine Kreditkarte.
Blogger: Findest du nicht, du hast jetzt genug Blödsinn geschrieben?
Larsinho: Solange wir noch Strom haben...
Blogger: Was anderes: Man sagt, du kannst in die Zukunft schauen. Wann hat das angefangen...?
Larsinho: Nächsten Donnerstag...
Blogger: Ok, den hast du schon mindestens zigtausend mal erzählt, der ist nicht mehr witzig.
Larsinho: Oooch, ich find den nicht schlecht.
Blogger: Apropos schlecht: Das Niveau sinkt seit der ersten Frage. Wann hörst du endlich damit auf?
Larsinho: Wie wäre es mit...jetzt?
Blogger: Danke. Danke. Danke.
Larsinho: Können wir noch kurz die Überschrift ändern in "Ünnötigstes Interview mit mir selbst?"
Blogger: Nein. Und jetzt machs gut.
Larsinho: Kann ich noch jemanden grüßen...?
Blogger (zum Personal, laut und hektisch): Kann mal bitte jemand den Strom abstellen? Schnell...?

Ein Platz in Maracay. Einer der wenigen Höhepunkte der Stadt, in der ich auch nur einen Tag war.


Und da sag mal einer, die Sozialisten verstehen nix von Marketing! Was für eine phantastische Idee!!!


Aktuelles Bild von heute von der "falschen" Seite des Strandes.


Jetzt ist aber wirklich Schluß! Wenn ihr es bis hierhin geschafft habt zu lesen, ist euch auch nicht mehr zu helfen!

Viele Grüße aus Vene!

Euer Larsinho

Mittwoch, 3. August 2011

Mückenstich 1.0

Nach fünf oder mehr Tagen sah ich es endlich als notwendig an, nach Eis zu fragen, da mein neues Programm "Mückenstich 1.0", das ich seitdem geladen habe, nicht gerade kleiner geworden ist. Und darüber hinaus gibt es jetzt auch brandneue Special Features, wie z.B. "Rötung 5.0", "Schmerz 6.2" und "Pulsiert im Inneren 7.5" . Leider war auch der Virus "Mückenstich geht mir tierisch auf den Sack 10.0" mit dabei. Als Basisversion hatte der Mückenstich übrigens "Geht nicht mehr weg 1.0" geladen, auf der alle weiteren Level und Special Features des Programms basieren.

Und während ich diese Zeilen schreibe gibt es spontan als Extra-Level "Ameise 3.0", die sich an meinem Oberkörper zu schaffen macht, die ich aber mit "Fingerschnipper gegen die Wand 2.1" schnell erledige und mir so wichtige Sonderpunkte sichere.

Im Extra-Level "Venezuela. Coro.2011" bekomme ich zufällig "Hilfs-Mutti 1.0" als Testversion. Einer der besten Testversionen, die man kriegen kann, wenn man "Haben Sie Eis für meinen dicken roten Mückenstich 3.2" lädt. In der Apotheke hatte man mir noch am Nachmittag "Pillen 0.5" gegeben, die sich jedoch als "Nicht empfehlenswert 9.0" herausstellten, da meine Hobby-Krankenschwester, in Wahrheit die Frau des Hostel-Inhabers, diese Pillen direkt kurz nach dem Stich empfiehlt. Leider hatte ich somit am Nachmittag "Geld aus dem Fenster schmeißen 15.8" geladen, als ich in der Apotheke war. Der Joker war also weg!

Aufgrund langjähriger Erfahrung als "Mutter 35.0" und "Touristen betreuen 20.0" dauert es auch nicht lange mit der Schnelldiagnose: "Entzündung 6.7". Das ist Level 2 bei den Mückenstichen! Nicht schlecht! Ich bin ein wenig stolz darauf, dass ich Level 2 schon nach 5 oder mehr Tagen erreicht habe, schließlich muß ich nix dafür zahlen. "Hilfs-Mutti 1.0" beruhigt mich und gibt mir ihren "Nicht gefährlich 1.5"-Joker, der jedoch zur Basisausstattung unter dem Menüpunkt "Beruhigen 1.0" ohnehin enthalten ist. Trotzdem freue ich mich.

Nachdem "Hilfs-Mutti geht Verbandskasten holen 10.0 " und "Französische Touristen gucken neugierig 1.0" geladen sind lande ich mit meinem Arm bei "Operation am offenen Mückenstich 1.0" in Level 3. Wow! Level 3! Nach "Wunde desinfizieren 3.1" und "Drücken, um zu gucken, ob was Gelbes drin ist 3.2" folgt "Antibiotikum-Creme auftragen 3.3". Der nächste Level bei Mückenstichen ist "Fieber 4.0". Da ich jedoch noch ein Anfänger bei "Mückenstiche 1.0" bin muß ich versuchen, ohne Level 4 auszukommen.

Nachdem "Hilfs-Mutti 1.0" bei ihrem Bekannten und Arzt angerufen hat, sich die Diagnose hat bestätigen lassen und mir den Namen für das Medikament gegeben hat lade ich schnell noch das "Danke 100.0-Programm" und freue mich, dass die Betaversion von "Hilfs-Mutti 1.0" so gut funktioniert hat.

Euer Larsinho reloaded 1.0

Dienstag, 2. August 2011

Oha! Oha! Oha!

Es hörte nicht auf. Immer und immer wieder sprangen mir diese drei Buchstaben in meinem Kopf herum. Nein, nicht "Tor", weil die Bundesliga endlich am Wochenende wieder anfängt und der ruhmreiche FC Bayern vom ersten Spieltag an keinen Zweifel aufkommen läßt, wer neuer Deutscher Meister werden wird. Denn als ich endlich damit anfing, mir Gedanken über meinen Weg zurück nach Buenos Aires zu machen, kamen mir diese drei Buchstaben in den Sinn. Zu dem Ort, wo mich ein Flieger hoffentlich ohne große Turbolenzen gen Heimat verfrachtet. Am besten noch in einem Stück. Oha! Oha! Oha!

Erst kürzlich, in Santa Marta, gingen mir, Sven und Dhruv ebenfalls ein Oha! über die Lippen, als sechs Promotionmädels in einem rotem Gürtel-ähnlichen Glitzerkleid für das Kolumbianische Bier Club Colombia Werbung machten. Leider hatten wir zu diesem Augenblick keine Kamera dabei, denn diese Mädels scheinen all das verkörpert zu haben, von denen uns unzählige Männer auf ihren Reisen durch Kolumbien erzählten und WARNTEN. Denn diese Mädels sollen angeblich süchtig machen, da sie groß, sexy, schlank und über ein ganz spezielles Merkmal verfügen: Silikonbrüste. Da ich jedoch mehr auf die inneren Werte einer Frau schaue habe ich mich kurzerhand für das Produkt entschieden, für das sie warben: Club Colombia.

Leider war das Oha! nicht so euphorisch, als ich die Karte von Südamerika aufschlug und mir einen ungefähren Weg zeichnete. Zwischen dem Ort Coro, wo ich jetzt bin und Buenos Aires sind gefühlte 18 Billionen Lichtjahre, die es zu überbrücken gilt. Und dazwischen sind Highlights wie der höchste Wasserfall der Welt, eine 4-tägige Dschungeltour, Rio und die Iguazu Wasserfälle. Und das sind nur die geplanten Trips.

Das ist sie also. Meine Route für die verbliebenen 44 Tage:


Spontan fallen mir da die Beatles ein: Help!

Euer Larsinho

Neuer Weltrekord im Schwitzen

Es könnt alles so einfach sein. Isses aber nicht. Die zwei Zeilen von den Fantastischen Vier fielen mir spontan ein, als meine Reisebegleitung Geraldine aus Venezuela, von heute auf morgen aus unserem Hostel verschwunden ist und ich mich somit nicht mehr in Begleitung einer fließend Spanisch-sprechenden Frau befinde, mit der ich eigentlich durch Venezuela reisen wollte. Dass sie spontan abgehauen ist mit einer kurzen Nachricht, sie müsse zu ihrer Mutter, liegt also nicht an mir. Zumindest offiziell.

Die Konsequenz daraus heißt: Finde dich alleine in Venezuela zurecht. Das Land, das ich mit meinem 10-Finger-Schreibsystem nie beim sofort richtig schreiben kann. Wie soll ich mich in einem Land zurecht finden, wenn ich es noch nicht einmal auf Anhieb richtig schreiben kann? Als ich Sven undd Dhruv, erzähle, dass Geraldine abgereist ist, überkommt beiden ein nicht zu verkennendes Grinsen. Viel Spaß mit deinem Spanisch! lachen sie mich aus. Zudem gilt es als das gefährlichste Land Südamerikas. Was für eine Kombination! Was für eine Herausforderung! Fehlt nur noch, dass die hier kein Bier haben und ich denke erst gar nicht daran, nach Venezuela zu reisen.

Montag Mittag. Lars begibt sich zum Busbahnhof. Im Gepäck fehlt allerdings ein Spanisch-Wortschatz, mit dem man sich unterhalten kann. Na dann, Larsinho, auf zum Schalter! Nachdem ich dreimal von Schalter zu Schalter gewandert bin habe ich dann zumindest ein Ticket nach Maicao. Nicht der Ort, wo ich hinwollte, aber immerhin hinter der Grenze, von wo auch Sammeltaxen nach Maicaraibo fahren. Gut, auch nicht da, wo ich hinwollte, aber es bringt mich immerhin vier Stunden vor den Ort, wo ich hin will: Santa Ana De Coro.

Als ich nach vier Stunden Busfahrt in Maicaraibo ankomme ist die Überraschung nicht ganz so groß als sie mir am Schalter sagen (zumindest deute ich es so), dass heute kein Bus mehr nach Coro fährt. Also ab ins Hotel, wo keiner Englisch spricht, Duschen und dann mache ich es mir auf 1,5 qm bequem. Am nächsten Morgen gehe ich noch schnell zum Markt und tausche auf dem Schwarzmarkt US Dollars gegen Bolivars, die Venezuelanische Währung ein, da die Inflation in Venezuela ca. 20 % hoch ist und man einen doppelt so hohen Kurs als in der Bank bekommt. Als ich auch das Wechseln auf dem Schwarzmarkt ohne Einschüsse in meinem Oberkörper und ohne, über den Tisch gezogen worden zu sein, geschafft habe, bin ich ein klein wenig stolz.

Gleich nach dem Frühstück mache ich mich dann auf nach Coro. Fünf Stunden Fahrt in einer Höllenmaschine von Bus, die fünf Stunden lang die Musikanlange auf das Äußerste strapazieren wird - was mich zu meiner eigenen Überraschung aber nicht mehr stört - und der keine Klimaanlage hat. Allein beim Warten auf die anderen Fahrgäste schwitze ich bemerkenswerte 358 Liter Schweiß binnen weniger Sekunden und stelle sogleich einen Antrag beim Guiness Buch der Rekorde. Nach fünf Stunden Busfahrt, immerhin mit ausreichend Beinfreiheit, kommen wir dann in Santa Ana De Coro an. Mit der Gewißheit, ich habe einen neuen Weltrekord im Schwitzen aufgestellt. Zum Leidwesen der anderen.

Und das ist sie: die blaue Höllenmaschine.


Euer Larsinho

Welcome to "The Paradise"

Ich staunte nicht schlecht, als ich das Schild sah: Welcome to "The Paradise". Das gefällt mir, dachte ich noch, schließlich ist Bescheidenheit auch einer meiner ganz großen Tugenden. Die Jungens wissen also, was sie hier haben. Doch so schnell lasse ich mich nicht von einem Holzschild mit zwei verschiedenen Farben beeindrucken, nur weil das Wort Paradies da drauf steht.


Wow! Das ist also der Eintritt zum Paradies. Na dann: rein mit dir, Larsinho!

Googelt man im Internet nach dem Wort "Paradies" kommt man komischerweise auf den Austatter der Lufthansa. Gut, unter Paradies stelle ich mir wahrlich etwas anderes vor als ein Kissen in der First Class der Lufthansa. Und der Garten Eden wird in der griechischen Übersetzung als Paradies bezeichnet. Darunter kann ich mir schon eher etwas vorstellen, aber so richtig trifft weder die erste noch die zweite Beschreibung meine Vorstellung des Paradies. Und deshalb kommt hier - für die, die's interessiert, meine Vorstellung des Paradies:

Mein Garten Eden in diesem Paradies sieht zu allererst den Empfang durch die aktuelle Frauen Beachvolley-Ball Nationalmannschaft Kolumbiens vor. Als deren Coach konnte kurzfristig Charlize Theron gewonnen werden, die mich auch kurz nach Eintritt in das Paradies begrüßt. Und als ich denke, es geht nicht mehr besser, überreicht sie mir eine Kiste Kölsch mit dem Hinweis, dass am Strand meine besten Kumpels sich schon warm getrunken haben und wir live zusammen den ersten Bundesliga Spieltag am Strand auf einer überdimensional großen Leinwand mit HD-Beamer gucken werden. Als ich meinen Augen nicht trauen will kommt auch noch Franz Beckenbauer um die Ecke und bietet sich an, uns den ganzen Abend mit Getränken und Anekdoten aus seinem reichhaltigen Fußball-Leben zu unterhalten.

So in etwa stelle ich mir das Paradies vor. Dann wollen wir doch mal sehen, wie viel davon hier, in Tayrona, zutreffen wird.


100 Menschen kamen in den Fluten am Strand ums Leben? Und das soll das Paradies sein? Wahrscheinlich rächt sich der liebe Gott noch immer an unschuldigen Touristen dafür, dass Eva "damals" gepatzt hat. Spontan fällt mir eine Liste mit Namen derjenigen ein, die ich hier zum Sonnenbaden und Schwimmen einladen würde. Mit einem One-Way-Ticket. Darunter die gesamte Mannschaft von Borussia Dortmund, meinen allerersten und zugleich cholerischten Arbeitgeber auf der ganzen Welt, den Erfinder des alkoholfreien Biers, Xavier Naidoo, Frank Elstner, Alice Schwarzer, den 1. FC Köln, Altbier, rote Ampeln und meinen Nachmieter. Damit wäre erstmal ein Großteil des Übels aus der Welt geschafft.

Als wir dann endlich ankommen sieht das Paradies so für uns aus:

Strand und Palmen. Nicht schlecht für den Anfang.


Noch mehr Strand, noch mehr Palmen. Es wird nicht schlechter. Und richtig warm ist es auch.


Das Paradies von oben.


Meine Unterkunft. Ein Zelt. Das hat mit dem Paradies nun wirklich nix zu tun. Links der Schweizer Sven, daneben Dhruv aus Singapore und Gerladine aus Venezuela, die aber seit Jahren in Miami wohnt.


Wer hat die Kokusnuss...wer hat die Kokusnuss geklaut? Ich. Und zwar gleich zwei Stück davon.


Für Diejenigen, die lieber in einer Hängematte schlafen wollen sind auch Schlafplätze vorhanden. Das sieht so ein bißchen aus wie Hängemattenlarven. Und hier drin kann nur schlafen, wer sich vorher mindestens einen halben Liter des hiesigen Alkohols intravenös eingetrichtert hat. Man kann den Alkohol aber auch trinken, ohne in einer Hängematte zu schlafen (hab ich gehört).


Noch immer ist weder von der Volleyball-Nationalmannschaft noch von Charlize Theron etwas zu sehen. Trotzdem genieße ich für einen Augenblick das Ambiente.


Da auch Franz Beckenbauer noch nicht eingetroffen ist bleibt zumindest kurz Zeit für ein Foto.


Als dann am Abend immer noch keiner da ist verabschiede ich mich etwas desillusioniert aus diesem vermeintlichen Paradies. Vielleicht schreibe ich auch noch eine kurze E-Mail und beschwere mich. Denn so habe ICH mir das Paradies schließlich nicht vorgestellt.


Euer Larsinho, der nur noch 44 Tage hier in Südamerika hat

Freitag, 29. Juli 2011

Drogenkontrolle!

Busfahrt nach Irgendwo. Plötzlich werden wir angehalten. Komisch, sieht gar nicht aus wie der Busbahnhof, obwohl man das nie so ganz genau weiß hier in Südamerika. Teilweise sehen die Busbahnhöfe aus wie Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Aber hier? Und dann mitten auf der Straße? Kurze Zeit später steht auch schon ein uniformierter Polizist im Bus. Wir müssen alle unsere Ausweise zeigen und dann wird der Bus durchsucht. Drogenkontrolle!

Auch 18 Jahre nach dem Tod von Pablo Escobar werden Drogenkontrollen, soweit ich das einschätzen kann, sehr regelmäßig durchgeführt. Wir sehen sehr häufig am Straßenrand Polizisten und Uniformierte, die mit Taschenlampen Autos und LKW's durchleuchten.

Ich bin froh, dass ich nicht der Busfahrer bin, denn würden die Polizisten einen langweiligen Alkoholtest machen würden sie aller Voraussicht nach einen spektakulär hohen Restalkoholwert in meinem Blut finden und ich müßte wie bei Monopoly ohne über Los zu ziehen und 4.000 € einzuheimsen bis zum Rest meines Lebens in Gefängnis gehen. Glücklicherweise bin ich aber nicht der Busfahrer.

Nach 20 Minuten holen die Polizisten sechs oder mehr schwarze Tüten aus dem Bus. Einer der Gäste scheint zunehmend nervös zu sein. Glücklicherweise sitzt dieser Mann - wie sollte es auch anders sein? - genau neben mir. Ich bin aber auch ein Glückspilz! Wenn sich also die Polizei und dieser vermeintlicher Drogendealer entscheiden sollte, sich im Bus mit Waffengewalt zu beschießen, dann sitze ich immerhin direkt neben ihm. Was mich auf der anderen Seite allerdings wieder etwas beunruhigt. Je länger wir im Bus sitzen bleiben desto nervöser wird der Mann neben mir. Hat er wirklich so viele Drogen als Handgepäck dabei? Kann man wirklich so dämlich sein bei den vielen offensichtlichen Kontrollen, die nicht zu übersehen sind?

Dann kommt einer der Polizisten wieder in den Bus und bittet den Mann, mit nach draußen zu kommen. Der Typ wird nicht gerade ruhiger, als der Polizist ihn auffordert, den Bus zu verlassen. Wo könnte er seine Waffe versteckt haben? denke ich mir. Es ist nix zu sehen. Er folgt dem Polizist nach draußen. Weitere lange Minuten vergehen und der Bus bewegt sich nicht. Wir hören auch keine Schüsse oder Geschrei. Alles ruhig.

Nach ca. 20 Minuten kommt der Mann wieder zurück. Wie mir unsere venezuelanische Reisebegleitung übersetzt, wollen die Polizisten nur Geld von dem Typ. Keine Drogen, keine Schießerei, keine Kamerateams. Nur Abzocke. Falscher Alarm.

Spannend war's trotzdem.

Euer Don Larsinho

Relaxen in Cartagena

Die Fahrt nach Kolumbien war wie schon erwähnt von der landschaftlichen Seite schöner anzuschauen als beispielsweise meine Heimatstadt Dillenburg oder Köln-Mülheim. Im Hinblick auf Abenteuergeschichten eignet sich eigentlich auch schon eine ganz normal Busfahrt mit schwitzenden Kolumbianern in einem überfüllten Bus. Wie immer hatte ich das exklusive Glück gepachtet, neben einer Einheimischen zu sitzen, für die die Worte "Chanel No. 5" oder einfach auch nur "Seife" ebenso fremd ist wie das Wort "clean" bei Amy Winhouse. Nun, beides ist jetzt Geschichte.

An Amy Winhouse wird man sich vermutlich auch noch in zehn Jahren erinnern, an die stinkende Frau mit dem Parfum der Sorte "Stinkt wie ein toter Hund", dafür aber selbstgemacht, werde ich mich nicht mehr erinnern. Hoffentlich.

Nachdem wir den stinkenden Bus nach vierstündiger Fahrt endlich verlassen durften und uns ganz kostenlos an der frischen heißen Luft Cartagenas erfreut haben, ging es nach einem kurzen Irrlauf, vorbei an einem betrunkenen schattenboxenden Kolumbianer sowie seinen zwei nicht weniger ebenso überraschend dreinblickenden Freunden, ins drittbeste Hostel.

Nachdem wir alle Formalitäten geklärt hatten, und ich als Beruf "Astronaut" angegeben habe, ging es ab in die Altstadt. Endlich bin ich in einer Stadt gelandet, die die Worte "südamerikanisches Flair" widergeben. Wir gehen durch die Straßen der Altstadt. Aus nahezu jeder Kneipe oder Bar hören wir Salsa-Musik, die Leute tanzen in den Clubs und auf der Straße und die hiesige Damenwelt präsentiert sich weniger im Rucksack-Reise-Outfit (also grüne Hose, Funktionsshirt, Flip Flops) sondern mehr in elegantem Dress.

Fast werde ich von der Salsa-Musik, den rhythmischen Klängen, dem tanzenden Volk sowie dem Mondschein indoktriniert, fange aber mein Bewußtsein für den Bruchteil einer Sekunde wieder auf und versichere mich bei meinen Beinen, dass sie nicht tanzen. Puh, das ging gerade noch einmal gut. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn sich der 1,92 Meter große Larsinho zu der schnellen Salsamusik versucht zu bewegen. Das letzte Mal, als ich zum Salsa-Tanzen aufgefordert wurde, ist zwar schon gut drei Monate her, aber es hatte einen wichtigen Grund, warum ich nach einer Stunde aufgehört habe zu tanzen. Gut, in diesem Fall war es die Happy Hour, die mich kurzerhand wie hypnotisiert an die Theke hat wandern lassen. Aber Salsa zu tanzen ohne eine gehörige Portion Alkohol im Blut und ohne zu wissen, was das linke Bein neben dem rechten Bein machen soll, macht keinen Sinn.

Und so stehen Sven und ich, offensichtlich Touristen, Gringos - wie sie uns hier nennen, an der Seite und genießen den Blick auf das Panorama, die tanzende Damenwelt und das kühle Bier.

Das Tor zur Altstadt. Dahinter verbirgt sich jede Menge südamerikanisches Flair.


Oooooch, dat is aber schön. Richtig. Hätte man hier einen Sinn für Romantik wäre man hier genau richtig. Auch richtig, hätte...


Die Altstadt in Cartagena. Schön wie ein frisch gezapftes Bier.


Ach ja, und wie in jedem Ort gibt's auch hier ne Kirche:




Und bei Tageslicht sieht die Welt wieder ganz anders aus, wobei diese Gegend nicht in der schönen Altstadt war:


Dieses hier hingegen schon:


Optische Täuschung könnte man meinen...


...aber von einem anderen Blickwinkel sieht die Skulptur wieder ganz anders aus:


In Cartagena ist es so heiß, dass wir uns einen Tag in ein anderes Hotel gehen, um uns am Pool zu erholen:


...und wo ich spontan Freundschaft schließe mit einem Papagei.


Und was wäre ein Besuch in einer der schönsten Städte Kolumbiens, wenn es nicht dort auch etwas zu feiern gibt. Und wenn ich es bin, der sich selbst feiert. Na dann: Prost, Lars!


Endlich kam ich mal wieder dazu, den Blog zu aktualisieren. Es ist in der letzten Zeit nicht immer einfach, sich Zeit zu nehmen, Bilder zu durchforsten und etwas halbwegs Gescheites zu zeigen. Denn manchmal geht man einfach nur durch die Straßen, hat aber seinen Fotoapparat vergessen.

Vielleicht gibt's ab jetzt wieder regelmäßig was zum Lesen ;-)

Euer Larsinho, der noch 48 Tage hat, bis sich Deutschland und der Rest der Welt auf die Rückkehr vom verlorenen Sohn freuen kann. Und ja, Mutter, ich komm zuerst zu dir!

Sonntag, 24. Juli 2011

Da liegt der Hund begraben

Wir sind in Medellin angekommen. Es ist halb sieben Uhr morgens. Warm, fast zu warm, um mit den schweren Rucksäcken durch die Stadt zu gehen und das Hostel zu suchen. Nachdem wir ein Hotel gefunden haben, Geraldine ihnen erzählt hat, dass wir noch nicht wissen, ob wir einen Tag bleiben oder noch am gleichen Abend weiter gen Cartagena ziehen, geben wir das Gepäck ab und machen uns in die Stadt. WIR wissen, dass wir nur einen Tag in Medellin haben und suchen uns ein paar touristische Tagesziele.

Wir machen halt an den großen Skulpturen...


...suchen uns ein Platz im Schatten und nehmen die Metro, die weit moderner, zuverlässiger und bei den hohen Temperaturen kühler ist als das Kölner Pendant. Wir haben ein Ziel, fragen die zwei sehr jungen Polizisten, ob die Gegend, wo wir hin möchten, auch sicher ist. Einer der beiden Polizisten zögert. "Depende" sagt der eine. Hängt davon ab...Mit dieser Info können wir nicht wirklich viel anfangen, fragen weiter nach dem Bus und nur Minuten später sitzen wir in einem dieser fliegenden Taxen. Nach zehn Minuten Fahrt sind wir am Ziel angekommen. Am Eingang verkaufen Händler Blumen.

Fragt man die ärmere Hälfte der Bevölkerung nach ihm, was wir aus Sicherheitsgründen nicht getan haben, so predigen sie ihn fast als Heiligen. Er baute Schulen, Krankenhhäuser, Sozialwohnungen und das hiesige Stadion ist mit seinen Geldern erbaut. Er ließ sich 1982 als Abgeordneter in den kolumbianischen Kongreß wählen. Er war Vertreter der liberalen Partei, befand sich auf dem Gipfel seiner Popularität und wurde als „Robin Hood" gefeiert.

Für den Rest der Welt war er der größte Drogendealer der Geschichte, der erste, der den Drogenschmuggel industrialisierte, ein Massenmörder, der - glaubt man Wikipedia - für den Tod von 457 Polizisten, 30 Richter und über 150 Auftragsmorde verantwortlich war, darunter drei Präsidentschaftskandidaten. In den 80er Jahren war er für eine wöchentliche Mordrate von 20 Personen verantwortlich. 1984 war er der erfolgreichste Kokainhändler der Welt, er hatte große Teile des Kokainmarktes unter Kontrolle (80 Prozent in Kolumbien). 1989 war er laut Forbes Magazine mit einem Privatvermögen von 2,7 Milliarden US Dollar der siebtreichste Mann der Welt und kontrollierte 80 Prozent des internationalen Kokainmarktes. Er starb, als eine US-Kolumbianische Elite-Einheit ihn bei einer Razzia in Medellín im Alter von nur 44 Jahren erschoss. An seiner Beerdigung nahmen über 20.000 Menschen teil.

Sein Grab auf dem Friedhof auf einer kleinen Anhöhe neben der Kirche entdecken wir, als ein paar Touristen Fotos von seinem Grab machen. 18 Jahre später ist er nur noch Teil der Geschichte Medellins, immerhin noch gut genug für ein Foto und eine Geschichte, die man späte zu Hause erzählen kann.

Sein Grab ist weniger spektakulär als ich erwartete. Ich erwartete, dass treue Anhänger von ihm noch immer aus Ehre Wache halten, was 18 Jahre nach seinem Tod natürlich Quatsch ist. Aber "Der Pate" und die anderen Mafiafilme haben in mir ein cineastisches Bild eines Paten geprägt, dessen Realität jedoch weit entfernt ist, zumindest, was das Grab angeht. Etwas enttäuscht stehen wir dann vor seinem Grab.

Und hier liegt der Hund begraben: Pablo Escobar.



Weitere Infos gibt's hier bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Pablo_Escobar

Euer Larsinho